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Gesundheitsatlas 2017 fördert alarmierende Ergebnisse zu Tage

Die Zahlen sind besorgniserregend: Beschäftigte in der Pflege weisen inzwischen im Vergleich zu anderen Branchen mit den höchsten Krankenstand auf. Der am 06.07.2017 durch den BKK Dachverband in Berlin vorgestellte Gesundheitsatlas 2017 kommt zu alarmierenden Ergebnissen. Die jüngste Veröffentlichung des BKK Dachverbandes richtet den Fokus dabei besonders auf das Krankheitsgeschehen in Gesundheitsberufen. Zu wenig Personal, zu viele Überstunden, geringe Bezahlung, viele Teilzeitjobs und befristete Arbeitsverträge, sind nur einige Erkenntnisse, die der Bericht zu Tage fördert. Der Gesundheitssektor ist nicht nur ein wichtiger Jobmotor für Deutschland, sondern offensichtlich für viele Beschäftigte auch eine wahre Knochenmühle. Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes, habe gewusst, dass es schlimm ist. „Aber das Pflegekräfte in Deutschland so viel öfter arbeitsunfähig werden, habe ich mir nicht vorstellen können“, sagt Knieps. „Das Ausmaß ist erschreckend“.

Podcast zum Gesundheitsatlas 2017

Frau Sylvia Bühler, Mitglied des Bundesvorstandes von ver.di, Frau Christine Rieffel-Braune, Personalvorständin der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und Herr Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes äußern sich zu den Ergebnissen des Gesundheitsatlas und den daraus ableitbaren Schlüssen für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens im Allgemeinen sowie der Pflegeberufe im Speziellen.

 

(Berlin) 05.07.17; Pressekonferenz „Jobmotor oder Knochenmuehle?“ Vorstellung des BKK GESUNDHEITSATLAS 2017 am 5. JULI 2017 im Haus der Bundespressekonferenz, Berlin. Mit: Sylvia Buehler (Mitglied des Bundesvorstandes ver.di), Christine Rieffel-Braune (Personalvorstand der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel), Franz Knieps (Vorstand des BKK Dachverbandes e.V.) und Christine Richter (Pressesprecherin BKK-DV) (©Schoelzl/BKK DV)

Erkrankungsgeschehen bei Pflegeberufen besorgniserregend – Gesundheitsförderung wichtig für Erhalt der Arbeitskraft

Mehr als jeder zehnte Beschäftigte hierzulade hat einen Gesundheitsberuf. Von diesen 3,2 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeitet wiederum nahezu die Hälfte in pflegerischen Berufen (als Krankenpfleger/-innen: Rund eine Million; als Altenpfleger/-innen 500.000). Die Datenanalysen des aktuellen BKK Gesundheitsatlas belegen, dass besorgniserregend viele Pflegekräfte aufgrund der Arbeitsbedingungen einen kritischen Gesundheitszustand haben. Dazu kommt, dass jeder Dritte in der Altenpflege (32,9 Prozent) lediglich ein befristetes Arbeitsverhältnis hat. Im Schnitt aller Berufstätigen sind es dagegen 14,6 Prozent.

Arbeiten in der Pflege: Signifikant länger krank, mehr psychische Leiden

Schaut man sich das Erkrankungsgeschehen der mehrheitlich weiblichen Beschäftigten dieser Branche genauer an, fällt auf, dass – im Vergleich zu allen anderen Beschäftigten, die im Schnitt 16 Tage krank waren – es deutlich längere Ausfallzeiten gibt: Rund 24 Tage sind es bei denjenigen, die in Pflege- oder Altenheimen arbeiten. Spitzenreiter hinsichtlich Erkranken an psychischen Störungen sind weibliche Beschäftigte in Pflegeheimen – sie sind doppelt so lange seelisch krank wie der Durchschnitt aller Arbeitnehmer (4,6 Krankentage in Pflegeheimen gegenüber 2,3 Tage bei den Beschäftigte aller Branchen).
Auch körperlicher Verschleiß macht den in Pflegeberufen Arbeitenden zu schaffen: Aufgrund von Muskel- und Skelettkrankheiten fallen Altenpflegerinnen doppelt so lange aus wie die weiblichen Beschäftigten insgesamt (7,0 versus 3,7 Krankentage).

Wegen psychischer Diagnosen stationär behandelt: mehr Männer, mehr im Südwesten

Bei der Analyse der Krankenhaustage fiel bei Pflegeberufen auf, dass weitaus mehr Männer (15 Prozent mehr als weibliche Beschäftigte) sich wegen psychischer Störungen stationär behandeln lassen mussten. Dabei liegen alle Menschen, die in der Pflege arbeiten, ohnehin schon jeweils mehr als 55 Prozent über dem Schnitt der Krankenhaustage aller Berufstätigen, die aufgrund psychischer Diagnosen im Krankenhaus waren. Bei der stationären Versorgung sind es nicht nur die Beschäftigten der Heime mit den meisten Krankenhaustagen, auch die regionalen Unterschiede sind hier am größten. Besonders viele Krankhaustage gab es im Saarland, rund ein Drittel weniger waren es in Sachsen.

Betriebliche Gesundheitsförderung: Wichtig und wirksam – aber noch ausbaufähig

Bei einer Umfrage unter 2.000 Beschäftigten sagen neun von zehn Befragten: Die Förderung von Gesundheit an ihrem Arbeitsplatz ist ihnen wichtig oder sehr wichtig. Allerdings geben weniger als der Hälfte an, dass es überhaupt solche Maßnahmen in ihrem Unternehmen gibt. Es zeigt sich durchaus ein Zusammenhang: Teilnehmer an betrieblicher Gesundheitsförderung leben laut eigenen Angaben auch außerhalb ihres Berufs aktiver und haben größere Zuversicht, ihren Beruf auch längerfristig ausüben zu können.

Dringend nötig: Mehr Gesundheitsförderung in der Altenpflege!

Von diesen Erkenntnissen sollte auch die Altenpflege profitieren, allerdings gibt es hier leider mehrheitlich (57 Prozent) (noch) keine betriebliche Gesundheitsförderung. Sind solche Maßnahmen jedoch vorhanden, dann ist die Inanspruchnahme dort sehr hoch (79 Prozent). Das sich BGF lohnt und auch Fehlzeiten reduziert, konnte in zahlreichen Studien gezeigt werden. Das zahlt sich auch für Arbeitgeber aus: Durchschnittlich werden – konservativ gerechnet – für jeden in BGF investierten Euro allein durch die Reduktion von Fehlzeiten 2,70 Euro eingespart.

Kontakt:

BKK Diakonie
Königsweg 8
33617 Bielefeld

Pressesprecher: Frank Großheimann
Fon: 0521.329876-165
Mail: frank.grossheimann@bkk-diakonie.de

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